Tarcisi-Schriftzug

 

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«Greina-Panorama», 1989

Tarcisi GreinaTarcisi Greina

Tarcisi GreinaTarcisi Greina

Tarcisi Greina

21-teilige Serie, je 160 x 120 cm, signiert und datiert, ausgeführt in Mischtechnik: Dispersion, Acryl, Acrlyllack, Öl- und Pastellkreide, Schiefersand (aus der Greina-Ebene) und Quarzsand auf Nessel (Baumwollstoff)

 

Artikel von Urs Honauer, erschienen in der Sonntags-Zeitung, 18. Juni 1989:

Ein Maler kämpft für die Greina – Der Erlös aus seinem 30 Meter langen Panorama gehört den Dörfern, die auf das Kraftwerk verzichten


Über ein Jahr hat der in Zürich lebende Bündner Maler Tarcisi Cadalbert investiert, um ein dreissig Meter langes und 1,7 Meter hohes Bild zu schaffen, das die einzigartige Bündner Greina-Hochgebirgslandschaft zeigt. Am Wochenende war das Greina-Panorama erstmals in Chur zu sehen, in der Galerie «Studio 10». Den Erlös von über 100 000 Franken will Cadalbert den Gemeinden Vrin und Sumvitg zukommen lassen. Die beiden Dörfer warten seit dem Verzicht auf das umstrittene Wasserkraftwerk Greina immer noch auf die Entschädigung.

Cadalbert hat sich in den letzten Jahren vehement gegen den Bau des Greina-Kraftwerks gewehrt. Nicht nur in Worten. Die Verbrennung seines Greina-Paravents oder die Einhüllung eines Findlings in der Greina-Ebene mit über 60 Quadratmeter Trauerflor haben für Schlagzeilen gesorgt, die beitrugen, die Opposition gegen den Bau zu stärken.

Deshalb, und auch wegen seiner wenig angepassten Lebensweise, ist Tarcisi Cadalbert für viele Leuten im Bündner Hinterrheintal «der Kommunist aus Zürich», der am besten für immer dort bleiben sollte, wo er seit über 20 Jahren lebt. In Zürich hat Cadalbert über ein Jahr lang an seinem dreissig Meter langen Gesamtwerk gearbeitet, das einen Überblick über die Greina gibt.

Das riesige Gemälde ist unterteilt in 21 Fenster. Jedes ist gerahmt und wird dadurch innerhalb des Gesamtwerkes zum einzelnen Bild. Die Stückelung dient zudem dazu, die 21 Teile einzeln für 5000 Franken zu verkaufen – Geld, das Cadalbert Sumvitg und Vrin schenken will. Als «kleine» Entschädigung für den Verzicht auf den Kraftwerkbau und damit auf 2.4 Millionen Franken Einnahmen jährlich. Der Künstler hofft, damit ein Zeichen setzen zu können: «Es ist nicht richtig, dass nun die beiden Gemeinden für ihren Verzicht auf den Kraftwerkbau auch noch bestraft werden, indem sie nirgends Geld bekommen.» Er spricht die Verzögerungsmanöver der eidgenössischen Räte an, die sich schwer tun, Entschädigungen an die beiden Gemeinden auszuzahlen. «Natürlich sind die 100 000 Franken nur ein Tropfen auf den heissen Stein, doch vielleicht kommt dadurch endlich etwas ins Rollen, was eigentlich gar nicht mehr lange diskutiert werden müsste.»

Ein Jahr lang hat Cadalbert an seinem Greina-Panorama gearbeitet, hat sogar Geld leihen müssen, um sein Projekt zu realisieren. Dieses war nun erstmals am vergangenen Freitag im Churer «Studio 10» zu sehen. Sie dauert bis 1. Juli. Im August soll das Greina-Werk auch in Zürich ausgestellt werden. Wo, ist noch unklar. Eine Bankhalle wäre ihm am liebsten, «damit es dort gesehen wird, wo das Geld liegt, das den beiden Bündner Gemeinden zusteht.»