Tarcisi-Schriftzug

 

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Greina-Paravent-Verbrennung, 1986

 

Artikel erschienen in der Bündner Zeitung, 19.12.1985:

Waltensburg: Malen für die Greina
Mit einer ungewöhnlichen Aktion und einer ungewöhnlichen Ausstellung im Hotel «Ucliva» in Waltensburg wollen die Kunstmaler Tarcisi Cadalbert (42) und Bryan Cyril Thurston (53) erneut auf die von einem Kraftwerkbau bedrohte Landschaft der Greina aufmerksam machen.

Dramatischer Schlusspunkt der Ausstellung am 11. Januar kommenden Jahres: Tarcisi Cadalbert wird seinen beidseitigen, auf 8 Quadratmeter bemalten Paravent verbrennen. «Das ist für mich keine Kleinigkeit, doch es wäre ein kleinlicher Vergleich», erklärt Tarcisi Cadalbert seinen Entschluss, das Werk den Flammen zu opfern, an dem er «mit Inbrunst» mehr als dreiviertel Jahre lang gemalt hat.
«Ein Bild zu verbrennen ist für einen Künstler der extremste Ausdruck», so Cadalbert, «und mir ist schliesslich ernst mit der Greina.»
Ernst ist es den beiden Künstlern schon lange mit ihrem Engagement für die bedrohte Landschaft zwischen Surselva und Bleniotal. Tarcisi Cadalbert, der seit 20 Jahren in Zürich malt und lebt, ist im oberländischen Sevgein bei Ilanz aufgewachsen. Jugendjahre auf der Alp und Schriften des Poeten Toni Halter weckten in ihm die Liebe zur unzerstörbaren, wilden Natur. Die Greina ist ihm zum «Symbol für die Wehrlosigkeit der Natur» geworden. «Aufstand der Pferde», «Fratzen gegen den Himmel», «Kain in der Landschaft» – so nennt er etwa seine Bilder, die immer mit kraftvollem Pinselstrich, meist in düsteren Farben, immer von politischer Aussage und mit noch mehr Wut in Leib und Seele gemalt sind.

 

Nachtrag
von Bruno Kesseli, November 1989

Am 11. Januar 1986 verbrannte Tarcisi in Waltensburg/Vuorz seinen «Greina-Paravent», ein beidseitig bemaltes, acht Quadratmeter grosses Gemälde mit Impressionen von der Greina-Hochebene, für das ihm ein Kunstfreund bereits 20 000 Franken geboten hatte. Es war dies ein extremer, expressionistischer Akt, mit dem der in Sevgein aufgewachsene Bündner gegen die drohende Zerstörung dieser einzigartigen Landschaft durch ein geplantes Kraftwerk protestierte. Nach dem Verzicht auf den Bau dieses Kraftwerks schuf Tarcisi ein zweites Greina-Panorama, dessen Erlös zu 90 Prozent den betroffenen Gemeinden zu Gute kommen soll.