Tarcisi-Schriftzug

 

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Bildprotokoll «Bedrängende Nähe», 1990/98–2001

 

 

     


Jede Abbildung zeigt einen Ausschnitt von 2m x 5m des Gesamtbildes von über 100m Länge.

Bedrängende Nähe

«Beim Verlassen des Flüchtlingscamps kommt André, ein Halbwüchsiger, die letzten Meter mit, Agnés, seine kleine Schwester, an der Hand führend. Sie lacht nicht, sie spricht nicht, blickt nur starr vor sich hin. Seit sie zusehen musste, wie die Milizen ihre Eltern und die übrigen Geschwister erschlagen haben, klammert sie sich an ihren Bruder und folgt ihm, wohin er immer geht...» (Tages-Anzeiger vom 12. 7.1994)
Solche Bilder und Geschehnisse bedrängen mich. Sie lassen mich nicht zur Tagesordnung kommen. Ich kann die Welt nicht malen, als sei sie ein blühender Obstgarten. Und ich kann das Elend dieser Welt nicht in Einzelbildern festhalten. Die Bilder laufen zu schnell, sie jagen und überlagern sich. Und sie entziehen sich den Begriffen und Definitionen, die gewöhnlich die Dinge begleiten und vereinnahmen. Sie pendeln zwischen Gegenständlichkeit und Ungegenständlichkeit, zwischen Realität und Fiktion. Ich male, was ich sehe und empfinde: Ein Baumstamm ist Bein und Bergrücken zugleich, ein Stein ist Kopf, Augen sind Risse und Wunden und Wunden sind Augen.
Mein Malen ist wie das Erzählen einer langen Geschichte oder das Komponieren einer Symphonie ohne Ende und Ausgang.
Tarcisi, Juli 1998.

Tarcisi am Malen 1998
Tarcisi am Malen an seinem Tagebuchprotokoll «Bedrängende Nähe», 1998

Publikation 1998, Ausstellung im Kunstmuseum Olten, 2001

Artikel im Tages-Anzeiger, züritipp, 19.2.1999   PDF>>

Artikel im Feuilleton der Neuen Züricher Zeitung, 14.4.2001   PDF>>