Tarcisi-Schriftzug

 

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Doppel-Radierungen, Unikate, von beiden Künstlern signiert.

100 Szenen aus dem städtischen Alltag, in Zusammenarbeit mit Hans Diener

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Tausend Leben am Albisriederplatz, 1996

 

 

Tarcisi-Albisriederplatz, 1997

Tarcisi-Albisriederplatz, 1997

Tarcisi-Albisriederplatz, 1997

Der Zürcher Albisriederplatz, mit den Augen zweier Künstler gesehen

«Es war ein Feuer, etwas abseits von der Welt. Aber als es kälter wurde, gruppierten sich alle um das Feuer, das war es mitten auf der Welt.» (Ludwig Hohl) Nirgendwo ist Zürich mehr Welt als am Albisriederplatz. Nichts fehlt hier, was Welt ist. Hier leben, lieben, zeugen und sterben die Menschen. Ein Platz der Werktätigen. Niemand verirrt sich an diesen Platz. Aber viele warten, auf Anschluss, auf Freunde. Kaum jemand flaniert, man eilt über den Platz – wie durch das Leben.
In den Gaststätten am Platz saufen Bänker den Frust von der Seele und Alkoholiker die Leber aus dem Leib. Nach Mitternacht schleichen Ehebrecher nach Hause und die ganz späten mischen sich unter die Frühschichter.
Wenn es regnet oder schneit laufen die Schirme und bellen die Hunde.
Manchmal, wer weiss warum, liegt Trauer in der Luft, manchmal Freude. Aber immer liegt etwas in der Luft.
Zürich verschmilzt hier mit der Welt. Der Platz könnte auch in New York sein. Es gibt keine Zürcher und keine Ausländer, keine Schweizer und keine Asylanten. Es gibt nur Menschen und ihre Begleiterscheinungen.
Diese Weltbühne haben wir von unserer Wohnung aus beobachtet, Tage und Nächte, viele Tage und viele Nächte. Auf einer grossen Kupferdruckplatte haben wir den Platz gestaltet, jeder auf seine Weise. Auf kleinen Platten haben wir Szenen festgehalten, das Leben eben. Die Szenen des einen haben wir in den Platz des anderen gesetzt – und umgekehrt – und als Unikat gedruckt. So ist eine Art stehender Stummfilm in 100 Bildern entstanden.
Tarcisi

 

Artikel Tages-Anzeiger, züritipp, 2.8.1996:

«Ein Platz, tausend Leben und sechsundsiebzig Bilder»: Der Titel zur Ausstellung über die Welt am Albisriederplatz ist überholt, das Leben geht weiter, unaufhörlich, das Rad der Druckerpresse schwingt, immer neue Bilder erscheinen, fügen sich zu einem Stummfilm, der erzählt mehr als Worte vermögen. «Nicht nur Qualität, auch Quantität ist ein Kriterium für Kunst», sagt Tarcisi. «Bei hundert hören wir auf.» Das Albisriederplatzprojekt ist charakteristisch für seinen konzeptuelle Arbeitsweise. Die 366er-Serie, für jeden Tag des Jahres ein Bild, das Greinapanorama in 27 Platten oder die riesigen Endlosbilder, aus denen die Leute ihr eigenes Bild ausschneiden konnten, sind Beispiele dafür. Warum jetzt der Albisriederplatz?
Es geht Tarcisi um die Nähe zum Leben. Aus diesem Grund wohnt er unmittelbar an diesem lebhaften Platz im Kreis 4. «Nirgendwo in Zürich ist mehr Welt als am Albisriederplatz», findet er, «hier verschmilzt die Stadt mit der Welt, es gibt keine Zürcher, Ausländer, Schweizer oder Asylanten, nur Menschen und ihre Begleiterscheinungen.»
In Hans Diener hat Tarcisi den idealen Partner für sein Projekt gefunden. Er kennt ihn als hervorragenden Zeichner, geübten Drucker und als Freund. Es ist faszinierend, den beiden beim Drucken zuzuschauen, fast wortlos arbeiten sie sich in die Hand. Auf je eine grosse Kupferdruckplatte haben beide den Platz aus demselben Blickwinkel, aber auf eigene Weise gleichsam als Bühne gestaltet. Auf kleineren Platten haben sie einzelne Szenen festgehalten und diese auf die Bühne des anderen gesetzt, in einer Art stummen Dialogs. Die so entstandenen Blätter sind Unikate, nicht reproduzierbare Momentaufnahmen, das Resultat gemeinsamen tage- und nächtelangen Beobachtens. (kdi)